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Digitalpakt Schule 2.0: Von Technik zu didaktischer Planung

DigitalPakt Schule 2.0

Warum Schulträger jetzt genauer hinschauen müssen

Der DigitalPakt Schule hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Investitionen in die digitale Ausstattung von Schulen ermöglicht. Für viele Schulträger stand dabei vor allem die förderkonforme Umsetzung innerhalb enger zeitlicher Rahmenbedingungen im Vordergrund. Entsprechend lag der Fokus häufig auf der Beschaffung von Endgeräten, Präsentationstechnik und Basisinfrastruktur.

In rund 80 % der von uns begleiteten Projekte bestand der Auftrag darin, bereits ausgearbeitete Konzepte formell korrekt und im Einklang mit den jeweiligen Förderrichtlinien auszuschreiben. Eine vertiefte technische oder didaktische Fachplanung war dabei nur selten Teil der Aufgabenstellung. Das war unter den damaligen Rahmenbedingungen nachvollziehbar – führt heute jedoch zu klar erkennbaren Folgewirkungen.

Nach inzwischen durchschnittlich fünf Jahren Betrieb digital ausgestatteter Schulen liegen belastbare Praxiserfahrungen vor. Diese zeigen deutlich, dass viele Herausforderungen nicht bei den beschafften Endgeräten liegen, sondern bei den strukturellen Grundlagen der IT-Infrastruktur

Das Schulnetzwerk als Engpass

Eine der zentralen Erkenntnisse aus dem laufenden Betrieb ist, dass das Schulnetzwerk in vielen Fällen zum limitierenden Faktor geworden ist. WLAN-Infrastrukturen wurden häufig auf Basis theoretischer Nutzerzahlen geplant, nicht jedoch auf Grundlage realer Nutzungsszenarien. Gleichzeitige Zugriffe ganzer Klassen, parallele Streams, Cloud-Dienste, automatische Updates und digitale Unterrichtsformate führen heute zu Lastsituationen, die bei der ursprünglichen Planung oft nicht berücksichtigt wurden.

Die Folge sind instabile Verbindungen, Verbindungsabbrüche oder nicht reproduzierbare Störungen im Unterricht. Für Schulträger bedeutet das: Die reine Erweiterung von WLAN-Hardware löst das Problem in der Regel nicht, wenn grundlegende Aspekte wie Funkzellendesign, Segmentierung oder Priorisierung von Datenströmen nicht betrachtet werden.

Geräteverwaltung ist nicht gleich Unterrichtssteuerung

In vielen DigitalPakt-Projekten wurde ein klassisches Mobile Device Management (MDM) beschafft. Dieses erfüllt wichtige technische Aufgaben wie Gerätekonfiguration, App-Verteilung und grundlegende Sicherheitsrichtlinien. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass diese Funktionen allein nicht ausreichen, um den Unterricht effektiv zu unterstützen.

Was häufig fehlt, sind didaktische Steuerungsmöglichkeiten im laufenden Unterricht. Lehrkräfte berichten, dass Schülergeräte zwar technisch verwaltet werden, im Unterricht jedoch weitgehend frei genutzt werden können. Surfen, Spielen oder Videostreaming lassen sich oft nicht sinnvoll unterbinden, da entsprechende Konzepte oder Werkzeuge nie vorgesehen waren. Für Schulträger entsteht hier eine Lücke zwischen Investition und tatsächlichem pädagogischem Mehrwert.

Fehlende Authentifizierungs- und Nutzungskonzepte

Besonders deutlich werden strukturelle Defizite an größeren Schulstandorten oder in Schulverbünden. Lehrkräfte sind häufig in mehreren Gebäuden oder sogar an mehreren Schulen eingesetzt. Dennoch fehlen vielerorts zentrale, personenbezogene Authentifizierungsmechanismen für den Netzwerkzugang.

Stattdessen sind Zugänge oft geräte- oder standortgebunden. Eine zentrale Authentifizierung, etwa über RADIUS-basierte Lösungen, könnte hier erhebliche Vorteile bieten – sowohl organisatorisch als auch sicherheitstechnisch. In der Praxis existieren solche Konzepte jedoch häufig nicht, da sie nicht Bestandteil der ursprünglichen DigitalPakt-Maßnahmen waren.

Präsentation und Streaming im Unterricht

Auch bei der drahtlosen Übertragung von Unterrichtsinhalten zeigt sich ein wiederkehrendes Bild. Technisch sind viele Schulen in der Lage, Inhalte von Tablets oder Notebooks auf Präsentationsgeräte wie Displays, Apple TV oder Dokumentationssysteme zu übertragen. In der Praxis funktioniert dies jedoch oft nur eingeschränkt oder unzuverlässig.

Ursache sind selten einzelne Geräte. Viel häufiger liegen die Probleme in einer nicht abgestimmten Netzwerkarchitektur, etwa bei Multicast-Konfigurationen, VLAN-Strukturen oder fehlender Priorisierung von Echtzeitdaten. Ohne eine ganzheitliche Betrachtung bleibt die Nutzung dieser Funktionen für Lehrkräfte unberechenbar.

Eine andere Ausgangslage als zu Beginn des DigitalPakts

Ein wesentlicher Unterschied zur Startphase des DigitalPakts liegt in der heutigen Erfahrung der Lehrkräfte. In den vergangenen Jahren wurden umfangreiche Unterrichtsmaterialien entwickelt, Fortbildungen besucht und digitale Konzepte im Schulalltag erprobt. Die Anforderungen an die eingesetzten Systeme sind heute deutlich konkreter und praxisnäher.

Digitale Schule ist kein Pilotprojekt mehr, sondern Alltag. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Stabilität, Verlässlichkeit und einfache Nutzbarkeit der eingesetzten Werkzeuge.

Warum isolierte Nachbeschaffungen problematisch sind

Viele Schulträger stehen aktuell vor Folge- oder Ergänzungsmaßnahmen. Häufig werden dabei einzelne Komponenten nachbeschafft, etwa zusätzliche Endgeräte, weitere Access Points oder neue Softwarelösungen. Ohne übergreifende Fachplanung besteht jedoch das Risiko, dass bestehende Probleme nicht gelöst, sondern lediglich überlagert werden.

Im ungünstigsten Fall entstehen neue Abhängigkeiten oder zusätzliche Baustellen, während der eigentliche Nutzen für den Unterricht begrenzt bleibt.

Fazit für Schulträger

Die Erfahrungen aus fünf Jahren DigitalPakt Schule zeigen deutlich:
Reine Beschaffung reicht heute nicht mehr aus.

Zukünftige Maßnahmen sollten auf einer fundierten Fachplanung basieren, die reale Nutzungsszenarien berücksichtigt und Netzwerk, Authentifizierung, Geräteverwaltung und Unterrichtsanforderungen zusammen denkt. Wie eine solche Lösung im Detail aussieht, lässt sich nicht pauschal festlegen und muss immer individuell betrachtet werden.

Klar ist jedoch:
Ein einfaches Nachbestellen birgt heute ein höheres Risiko, bestehende Probleme zu verfestigen, statt sie zu lösen.

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